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2. Tag

2. Tag

Nach einem erholsamen Schlaf wache ich voller Vorfreude auf diesen neuen Tag auf. Wie gewohnt, trinke ich erst einmal 2 Gläser warmes Wasser und begebe mich dann in meine Meditation. Nach einer ausgiebigen Dusche gehe ich nach unten in den Frühstücksraum. Dort sitzt bereits ein anderer Gast, auch eine Frau mit Rucksack. Die Landlady ist nun freundlicher, was mich sehr freut. Sie erzählt mir, dass sie ein paar Tage zuvor beim Schafscheren ganz blöd auf ihr Hinterteil gefallen sei und deshalb starke Schmerzen hätte. Mein Verständnis öffnet automatisch auch mein Herz und ich lächle sie voller Mitgefühl an. Die Frau am Nebentisch fragt mich, woher ich denn sei. Auch sie kommt aus der Schweiz und wandert ein paar Tage auf dem Küstenweg. Im Gegensatz zu mir hat sie aber die Reise mit Gepäcktransport gebucht. Ein wenig beneide ich sie darum 😉. Einfach nur mit dem Tagesgepäck unterwegs zu sein, stelle ich mir herrlich vor. Sie bricht schon vor mir auf, weil sie am nächsten Ort mit einem Taxifahrer verabredet ist und pünktlich da sein muss. Ich geniesse in aller Ruhe mein Frühstück, welches aus Müesli, frischen Früchten, einem dünngekochten Ei und Toast besteht. Was will der Mensch mehr??

Dann mache ich mich auf den Weg von Abercastle nach Whitesands. Auch dieser Weg ist im Naturpark eingebettet und ohne Siedlungen. Unzählige Buchten reihen sich aneinander.

In einer dieser Buchten, zu der kein Weg führt, da die Klippen zu hoch und zu steil sind, sehe ich Seehunde. Erst bin ich mir nicht sicher, ob ich mir dies einbilde… Erst sehe ich einen Seehund, der wie auf mich zu schwimmt. Dann taucht er ab und als er wieder auftaucht, sind da plötzlich noch andere Seehunde. Dies wiederholt sich ein paar Mal und jedes Mal kommen noch mehr Seehunde auf mich zu. Sie sehen zu mir hoch und scheinen zu rufen: «Komm, es ist so schön im Wasser, komm zu uns und spiel ein wenig mit uns.“ Dies berührt mich so sehr, dass Tränen über meine Wangen fliessen und sich mein Herz ganz weit öffnet. Welch wunderschönes Erlebnis!

Weiter geht es, über Schaf- und Ponyweiden. Ich fühle mich ein wenig wie im Film „Die Dornenvögel“: alle paar 100 m muss ich ein Tor passieren. Tor auf, durchgehen, Tor zu. Irgendwann komme ich in Whitesands an, dies ist ein wunderschöner Strand, eben mit weissem Sand. Es hat viele Leute am Strand, die das schöne Wetter geniessen, beim Baden, Sonnbaden oder Surfen. Ich ziehe meine Wanderschuhe aus und gönne meinen Füssen ein kurzes Bad im Meer. Herrlich!

Danach mache ich auf den Weg nach St. Davies, einer kleinen Stadt oberhalb von Whitesands. Noch einmal über 2 km, meine Füsse stöhnen, tragen mich dann aber brav zum gebuchten kleinem, Hotel, welches von einer älteren Frau geführt wird. Sie fragt mich, was ich denn gerne zum Frühstück hätte, notiert sich alles und wünscht mir einen angenehmen Aufenthalt.

Nach einer herrlichen Dusche mache ich mich auf den Weg, um irgendwo essen zu gehen. Ich tue mich ein wenig schwer, in einen Pub zu gehen, aber der Hunger siegt dann doch und ich überwinde meine Hemmungen. Zum Glück! Denn im Pub treffe ich die Frau wieder, welche in Abercastle dieselbe Unterkunft wie ich hatte und auch aus der Schweiz ist. Beim Essen plaudern wir über alles Mögliche. Dabei kommt heraus, dass sie aus Basel ist und auch im Biozentrum arbeitet (wie meine Tochter Julia). Da ihr Sohn gerade in Schwierigkeiten steckt, hat sie ihre Wandertage um einen Tag verkürzt, um ihn zu unterstützen. Das Gespräch mit ihr hat mir sehr gut getan, ich bin sicher, wir werden in Kontakt bleiben.

Zurück im Hotel, schaue ich mir noch kurz die Strecke vom morgigen Tag an und falle dann todmüde ins Bett.

Am anderen Morgen bekam ich ein sehr gutes Frühstück mit Rührei, wie ich es am Abend zuvor bestellt hatte. Dann ging es weiter. Dieses Mal nahm ich den Bus runter nach Whitesands, da ich noch genügend laufen würde während des Tages.













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